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TV Weisel Faustball

TV Weisel schwebt auf Wolke sieben

Geschrieben von: Rh.-Lahn-Ztg., Stefan Nink Montag, den 13. Februar 2012

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Im Tiefflug Richtung Bundesliga: Patrick Schiep, Jan-Hendrik Clasen und Philipp Kern pushten sich und ihr Team immer wieder und ließen nach dem letzten Ballwechsel ihrer Erleichterung freien Lauf.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Turnvereins Weisel haben die Faustballer sowohl im Feld als auch in der Halle die Rückkehr in die 1. Bundesliga geschafft. "Das ist die absolute Krönung", freute sich Tim Dillenberger, gemeinsam mit dem zwei Jahre jüngeren Philipp Kern der "Senior" der verschworenen Truppe aus dem Taunus, über den enthusiastisch bejubelten Coup, mit dem das "Double" anlässlich des 100. Geburtstags des Vereins perfekt gemacht wurde. Nachdem die Mittelrheinischem im Vorjahr noch in Nastätten beim Sprung über die letzte und entscheidende Saisonhürde mangels geeigneter Trainingsmöglichkeiten gescheitert waren, passte diesmal einfach alles. 15 ebenso kräftezehrende wie nervenaufreibende Sätze absolvierten die Schwarz-Weißen in rund siebeneinhalb Stunden auf allerhöchstem Niveau - welch eine bemerkenswerte Energieleistung. "Ich gehe auf dem Zahnfleisch", bekannte der 28-jährige Dillenberger, der in Kürze der Liebe wegen ins schwäbische Stammheim ziehen wird, dass "wir alle einfach nur total platt sind".

Die großen hemmungslosen Feierlichkeiten bis in die frühen Morgenstunden fielen beim Gros des Teams trotz des Schwebens auf Wolke sieben ziemlich kurz aus. Kein Wunder: Denn nach dem grenzenlosen Jubel standen Aufräumarbeiten an, ehe man zum gemütlichen Teil überging. Doch da am Montag die meisten Weiseler wieder auf ihrem Arbeitsplatz oder der Uni gefordert waren, beschränkte sich die Feier auf das eine oder andere Bierchen sowie eine Pizza aus dem Pappkarton. "Ich habe schon um 22 Uhr vor lauter Erschöpfung im Bett gelegen", berichtete Adrian Debus. "Manche haben aber auch bis 3 Uhr getagt."

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Durch die Verpflichtung des Ex-Kircheners Patrick Schiep (rechts) verfügt Weisels Trainer Bernd Göttert (links) im Angriff über größere Variationsmöglichkeiten. Das zahlte sich vollauf aus. Foto: Marco Rosbach

Bis in die Haarspitzen motiviert

Zuvor waren die Weiseler wie auch die bärenstarke Konkurrenz aus Oberndorf, Grafenau und Tiefenthal sowohl in physischer als auch mentaler Hinsicht im absoluten Grenzbereich angelangt. "Wir hatten den festen Willen, vor eigenem Publikum das Ding klar zu machen. Alle waren bis in die Haarspitzen motiviert, wir haben alle an einem Strang gezogen und die Körpersprache hat auch in kritischen Situationen gepasst", hatten Tim Dillenberger und Co. allen Grund, hochzufrieden auf das Geleistete zurückblicken zu können.

Für den Routinier schloss sich ein Kreis, nachdem er als Youngster die kleinsten Weiseler - unter anderem Adrian Debus, Kevin Ochs, Jan-Hendrik Clasen und Fabian Schupp - als Trainer unter seinen Fittichen hatte und ihnen die Grundbegriffe des Faustballs vermittelte. Seit Jahren bilden sie nunmehr als Aktive ein Team und sind ein entsprechend verschworener Haufen, der sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen lässt.

Das schaffte auch Trainer Bernd Göttert, obwohl der TVW-Coach von einer Magen-Darm-Grippe arg gepiesackt war und am Sonntagabend bereits frühzeitig im Bett lag. "Die körperliche Fitness unserer Mannschaft war ausschlaggebend. Alle acht eingesetzten Jungs konnten jederzeit zusetzen", freute sich der Übungsleiter, dass die intensiven Einheiten Früchte trugen.

Ausgeglichener Kader als Plus

Was hat letztlich den Ausschlag für die Gastgeber gegeben? Adrian Debus antwortet wie aus der Pistole geschossen. "In erster Linie die Ausgeglichenheit unseres Kaders. Wir können besonders in der Abwehr wechseln, ohne dass es unserem Spiel einen Abbruch tut. Zudem war der Auftaktsieg gegen Tiefenthal bereits ein Meilenstein."

Mit diesem Erfolg gegen die Pfälzer, die den Weiselern in der West-Gruppe der zweiten Liga erst kürzlich den Staffelsieg gerade noch vor der Nase wegschnappten, holten die Mittelrheinischen das erwartungsfrohe Publikum direkt auf ihre Seite. Und es waren nicht nur die üblichen Kiebitze, die sich die an Dramatik kaum zu überbietenden Partien anschauten. "Es waren auch viele Nichtfaustballer in der Halle, von denen viele von der extremen Spannung so gepackt wurden, dass sie bis zum Schluss geblieben sind", konnten sich Göttert und Co. sicher sein, dass sie vor voll besetzten Rängen in der Sporthalle der Loreleyschule nicht nur beste Eigenwerbung betrieben, sondern auch Reklame für ihren Sport machten.

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So sehen glückliche Sieger aus: Nachdem alle Anspannung von den Akteuren abgefallen war, präsentierte sich der künftige Faustball-Erstligist aus Weisel und Oberndorf dem Fotografen.

Fußball-Kumpels auf der Tribüne

So saßen beispielsweise auch viele Fußballer der SG Bornich/Bogel/ Reitzenhain auf der Tribüne, um ihren gelegentlichen Mitspieler Adrian Debus zu unterstützen und bei dessen vorrangiger sportlicher Aktivität unter die Lupe zu nehmen. "Die haben endlich mal gesehen, wie man gewinnen kann", witzelte der junge Nationalspieler über seine balltretenden Kumpels.

Die unglückliche 2:3-Niederlage gegen den letztlich ungeschlagen durchs Turnier marschierenden Favoriten aus Schweinfurt-Oberndorf warf die Weiseler nicht aus der Bahn. Denn bereits vorher war klar, dass im letzten Match nur bei einem Sieg gegen den TSV Grafenau das Bundesliga-Ticket für den TV Weisel sicher wäre. "Da gehen einem 1000 Sachen durch den Kopf. Denn alle sind sich darüber im Klaren, dass dieser eine Tag über die Arbeit der gesamten Saison entscheidet und man auch das Quäntchen Glück braucht", gab Bernd Göttert einen Einblick in die Gedankenwelt eines Trainers, der früher als Aktiver selbst mit bekannten Recken wie Volker Kern, Bernhard Rheingans, Jürgen Bremser, Peter Gräber sowie Jörg und Maic Dillenberger in Liga eins den Ball erfolgreich ins gegnerische Feld platzierte. Diese "goldene Generation" hatte damals den Aufstieg in die Eliteliga gepackt und drückte ihren Nachfolgern am Spielfeldrand ganz fest die Daumen. Die Geschichte hat sich wiederholt - der TV Weisel ist wieder ganz oben...

   

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1. BL Süd Aufstiegsspiele

# Team Sp PTS
1 Oberndorf 3 6
2 Weisel 3 4
3 Grafenau 3 2
4 Tiefenthal 3 0
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